Digitalisierung in Unternehmen: Worum es wirklich geht

In der Digitalisierung darf der Einsatz von Technik nicht zum Selbstzweck werden. Denn Geschäftsprozesse werden nicht besser, weil man sich auf bestimmte Technologien verlässt. (ml)
Digitalisierung in Unternehmen

Digitalisierung in Unternehmen begegnet uns zurzeit überall – in Zeitungen und Blogs, bei Strategiemeetings und auf Social Media Plattformen, sogar auf Messen oder Agenden. Digitalisierung ist „the next big thing“. Gleichzeitig herrscht Unklarheit darüber, worum es bei Digitalisierung wirklich geht. Mit diesem Blogbeitrag beleuchten wir den Begriff Digitalisierung näher und erläutern mögliche Folgen.

Was heißt Digitalisierung eigentlich?

Klären wir erst mal den Begriff.

Wikipedia definiert Digitalisierung so:

„[…]Unter Digitalisierung versteht man die Aufbereitung von Informationen zur Verarbeitung oder Speicherung in einem technischen System.“

Wenn man danach geht, sind die meisten Unternehmen digital. Zurzeit verwenden wir den Begriff aber entgegen dieser Definition. Eine neue und einheitliche Definition gibt es nicht. Weitestgehend meint es, Prozesse durch eine Verzahnung von Technik zu verbessern. Diese Definition ist aber nicht konkret. Sie zeigt weder Rahmenbedingungen noch Handlungsempfehlungen auf. Kein Wunder, dass Unternehmen verunsichert sind, wie eine Fujitsu-Studie bestätigt.

Kurz zusammengefasst:

  • Zwei von fünf Befragten gaben an, dass ihre digitale Strategie unklar und diffus ist.
  • Jeder dritte Befragte schätzt, dass digitale Ziele mit der Unternehmensstrategie harmonieren.
  • 70 % der Befragten betrachten digitale Projekte als Balanceakt.

Welche Folgen hat die Digitalisierung in Unternehmen?

Die Folge der Digitalisierung ist eine Kombination aus technologischer Fixierung und digitalem Aktionismus. Dabei vergessen wir etwas sehr Wichtiges: den Bedarf. Wie ist das gemeint? Ganz einfach: Man baut eine Straße nicht, um eine Straße zu bauen. Besser wäre doch, bedarfsorientiert zu handeln: Jemand hat den Bedarf mit dem Auto von A nach B zu fahren.

Das soll heißen, Unternehmen sollten digitale Technik einsetzen, um einen konkreten Bedarf zu unterstützen. Andernfalls wird die Technik zum Selbstzweck.

Ein Beispiel: Viele Unternehmen führen Identity Management Tools ein und haben die Identity Daten dennoch nicht im Griff. Woran liegt das? Sie setzen ein Tool ein, ohne den Prozess zu kennen. Erst dann wird aber der eigentliche Bedarf erst klar.

Wie sollten Unternehmen vorgehen?

Zunächst ermittelt man, welche Systeme im Gesamtprozess personenbezogene Daten verarbeiten. Dann identifiziert man sämtliche abteilungsübergreifenden Ausprägungen. Danach definiert man den Unternehmensbedarf. Die passende Frage dazu lautet: Welchen Unternehmensbedarf unterstützt das Identity Management? Antwort: Dass digitale Identitäten und deren Berechtigungen konsistent und verfügbar sind. Deswegen sollten Unternehmen sicherstellen, ob der aktuelle Prozess (inklusive vorhandener Technik) auch genau das gewährleistet.

Welche Voraussetzungen für die Digitalisierung sind notwendig?

Was bleibt bei der ganzen Digitalisierung auf der Strecke? Eine wichtige Meta-Kompetenz ist die Agilität. Geschäftsprozesse und Geschäftsmodelle werden nicht dadurch besser, weil Mitarbeiter via Slack kommunizieren. Es bessert sich auch nicht, wenn sie sich auf irgendwelchen Kollaborationsplattformen vernetzen. Und es nützt auch wenig, wenn Frau Meier aus der Buchhaltung eine Smartwatch besitzt. Das wäre nämlich der zweite vor dem ersten Schritt.

Unternehmen werden besser, wenn sie schnell und flexibel auf veränderte Bedürfnisse und Märkte reagieren, wenn sie proaktiv gestalten. Das beginnt in der Unternehmenskultur und Organisation. Es setzt sich fort in Geschäftsprozessen. Und es endet vielleicht mit dem Einsatz agiler Technologien.

Die steadynews Redaktion hat den Konflikt auf den Punkt gebracht:

„Digitale Transformierung legt den Fokus auf die Technologien. Digitale Technologien, die im Unternehmen für eine Verbesserung von Prozessen sorgen. Wie genau das aussehen soll, ist allerdings die Frage und eine, die auch berechtigt ist. […] Technologien bieten zwar jede Menge an Möglichkeiten an. Diese Möglichkeiten für die eigene Arbeit zu nutzen, heißt aber noch lange nicht, dass sich in den Köpfen der Menschen auf einmal von selbst die offene und kollaborative Arbeitsweise einstellt, die man etwa von der Wikipedia kennt.“

 

Hat die steadynews Redaktion recht? Wie denken Sie über das Thema Digitalisierung in Unternehmen? Schreiben Sie uns Ihre Meinung zum Beitrag in den Kommentaren. Wir freuen uns auf einen regen Austausch.

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